Ist das Bewerbungsfoto noch zeitgemäß?

Wenn du ein Video schickst, natürlich nicht. Aber ansonsten ist das Foto schon wesentlich. Zumindest in Österreich.

Oft höre ich, „ja, aber“, im Sinne der Vermeidung von Diskriminierung, „ist es wichtig, kein Foto zu schicken, damit der Rekruter nicht erkennen kann, wer sich bewirbt?“ Wie alt, welche Hautfarbe, männlich oder weiblich, stattlich, dürr, blond, rothaarig, hübsch, oder auch nicht, …. was auch immer Menschen für Gründe haben können, andere Menschen von vornherein auszuschließen.

Ehrlich: nein. Ich habe die Erfahrung gemacht, Bewerbungen ohne Foto kommen gleich auf den „nein“-Stoß.

Warum? Vermutlich weil die Optik einen ersten Eindruck vermittelt. Das Gesicht ist und bleibt die Visitenkarte des Kandidaten. Sie sagt etwas aus über den Lebensstil, die Gewohnheiten, die möglichen Charaktereigenschaften und ermöglicht eine erste Einschätzung ob er/sie in das Team passen könnte.

Aber das Foto vermittelt auch einen anderen Eindruck: Es zeigt, wie sich der Kandidat präsentiert. Hast du einen Urlaubsschnappschuß mittels Selfie übersandt, wo du grinsend mit einem Glas Bier in der Hand am Strand rumkugelst, am Foto abgeschnitten von deinen Freunden?

Du lächelst und denkst dir, das kann nicht sein? 😉 Hab ich alles schon gesehen. Ich habe Urlaubsstrandfotos gesehen, halbe Hochzeitsfotos, Badehosenfotos, Partyfotos, Urlaubsfotos mit Sehenswürdigkeiten, Fotos mit extrem tiefen Dekolltees. Selfies im Badezimmer daheim, Selfies auf der Toilette, Selfies beim Essen. Gruppenfotos. Alles ein No-Go.

Mach dir die Mühe und geh zu einem professionellen Fotografen. Es gibt durchaus welche, die Studenten-Tarife oder Ermäßigungen anbieten, dann kommst du mit 40 bis 60 € durch. Der sagt dir, wie deine Haltung sein muss, damit du besonders seriös/ kreativ/ wissbegierig/ innovativ … was auch immer du an dir heraus streichen möchtest, rüber kommst. Das kann im Zweifelsfall den Extra-Punkt für dich bedeuten, wenn es darum geht, die erste Hürde der schriftlichen Bewerbung siegreich zu bewältigen.

Geh vorher zum Friseur. Wenn du schon Fotos hast, sollten die nicht älter als 6 Monate sein. Außer Du hast inzwischen deine Haarfarbe komplett geändert, dann brauchst du nach jeder Haarfarbenänderung neue Fotos. Eine andere Haarfarbe verändert den Typ so sehr, dass man Dich wahrscheinlich nicht wieder erkennt. Selbiges gilt, wenn du gerade 20 Kilo zu- oder abgenommen hast. Auch das ist Typ verändernd.

Für den Foto Termin zieh etwas an, dass du im Job auch anhaben würdest, nur einen Tick besser. Also etwas, was du zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch tragen würdest. Wichtig ist, dass du dich nicht verkleidest, sondern etwas anhast, in dem du dich wohlfühlst, weil das kann man am Foto sehen, und das natürlich zu deinem angestrebten Job passt. Also hast du dich als Treasurymitarbeiterin in einer konservativen Bank beworben, wirst du etwas anderes tragen, als wenn du dich als Programmierer in einer modernen Software Firma beworben hast.

Dress for the job you want not for the job you have.

Zu den Farben deiner Kleidung für das Foto (und das persönliche Gespräch) gilt: Rot ist tabu. Rot steht für Aggression und Sexualität, beides hat im Job nichts verloren. Sonst ist fast alles erlaubt. Wenn du nicht weißt, was man da so anhat, vielleicht kannst du dir ein vergleichbares Unternehmen von innen anschauen, oder deine Freunde fragen, was sie so in ihren Jobs tragen (müssen).

Dein Make-Up sollte dezent sein, aber vorhanden (für Mädels). Ungeschminkt wirkt mitunter schlampig, so als ob du es nicht notwendig hättest, dich optimal zu präsentieren für einen Job. Zu stark geschminkt vermittelt vielleicht den Eindruck von Unseriösität. Für Männer gilt: Wer nicht Bartträger ist sollte frisch rasiert sein.

Deine Frisur muss nicht ballfähig sein sondern alltagstauglich. Farbexperimente sind bestimmt in einer Marketingagentur kein Problem, in einer konservativen Bank mitunter schon.

Selbiges kann unter Umständen auch für Tattoos gelten. Tattoos sind ziemlich salonfähig geworden in den letzten Jahren, allerdings nicht bei jedem Chef. Daher gilt immer noch: in einer konservativen Bank hast du hoffentlich Tattoos, die sich unter Kleidung verbergen lassen, in einer modernen Softwarefirma ist es egal.

Piercings im Gesicht können auch problematisch sein und rufen bei manchen Chefs bestenfalls Mitleid hervor. Das ist natürlich immer eine Gradwanderung zwischen der Anpassungserfordernis an einen Job und dem legitmen Recht und Wunsch auf Selbstverwirklichung. Die Abwägung bleibt bei dir.

Vermutlich bekommst du 2 bis 4 elektronische Fotos mit. Zur Zeit sehr in sind schwarz-weiß Fotos (kannst du mit jeder herkömmlichen Standard Software auf deinem Rechner selber umwandeln) und Gesichter in Großaufnahmen. Aber das ist selbstverständlich Geschmacksache.

Das Foto hat optimalerweise ein Format von ca 5×8 cm und ist maximal ein Portraitfoto. Also entweder nur Gesicht, oder bis zur Brust, auf keinen Fall ein Ganzkörperfoto. Optimalerweise bettest du es in deinen virtuellen Lebenslauf ein, und zwar am Anfang, ob rechts, links oder mittig ist Geschmacksache und auf das Gesamterscheinungsbild deines Lebenslaufes abgestimmt.

Und zuletzt: Das Foto vermittelt einen ersten Eindruck von dir. Ob du blond bist oder dunkelhaarig, hübsch oder nicht, dünn oder stattlich, jung oder weniger jung, hell- oder dunkelhäutig, es ist dem Rekruter im Allgemeinen egal. Aber er/sie sieht, und das ist für alle gleich, ob dir das Gespräch wichtig ist, ob du interessiert bist an dem Job, ob du dir Mühe gemacht hast mit deiner Bewerbung. Ob du zum Job passen könntest, zum Team, zum Unternehmen. Ob du dich in einem gesellschaftsadäquaten Rahmen bewegst. Ob du sympathisch bist. Ob du Lächeln kannst. Ob du vertrauenserweckend aussiehst. Oder kreativ. Oder seriös. Und natürlich vermittelst du auch eine ganze Menge Botschaften, die direkt ins Unterbewusstsein gehen …

Viel Erfolg! SLG Eure Guðrún